Depression

ARTE: Die heilsame Kraft der Meditation

Bis zum 13.10. ist in der ARTE-Mediathek noch die Dokumentation „Die heilsame Kraft der Meditation“ abrufbar. Sehr lohnenswert. (Danke Aleks für den Tipp!). Aus der Sender-Ankündigung:

Klinische Studien zeigen, dass Meditation einen positiven Einfluss auf unser Gehirn hat. Die Wissenschaft erforscht, inwiefern die mentale Praxis wirksam bei Schmerzen, Depressionen und Ängsten ist. Kann die Meditation möglicherweise Krankheiten heilen oder uns gar ganz vor ihnen bewahren?

Depression versuchen zu verstehen #2

_muedigkeitsgesellschaftDie Depression ist […] objektlos und daher nicht gerichtet. Es ist sinnvoll, die Depression auch von der Melancholie zu unterscheiden. Der Melancholie geht eine Verlusterfahrung voraus. Daher steht sie nie immer noch in einer Beziehung, nämlich in einer negativen Beziehung zum Abwesenden. Die Depression ist dagegen von jeder Beziehung und Bindung abgeschnitten.

Byung-Chul Han: Müdigkeitsgesellschaft. Berlin 2016

Hach ja… #56

Würden wir nicht auch die Schwierigkeiten lieben, wie könnten wir dann das Leben lieben?

André Comte-Sponville: Liebe. Eine kleine Philosopie. Zürich, 2012

Hinweis: Vortrag über gestörtes Denken bei Depression

Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie veranstaltet wieder einen Vortrag zu einem spannenden Thema, das Menschen mit Depressionen betrifft: Denkstörungen bei Depression: Ein vernachlässigtes Problem von Dr. Anna-Katharine Brem.

  • Am 9. Mai 2017
  • Von 18 Uhr 30 bis 20 Uhr
  • Wie immer im Hörsaal des Max-Planck-Institut für Psychiatrie

Nähere Informationen sind auf der Seite des Max-Planck-Insituts für Psychiatrie zu finden.

Depression versuchen zu verstehen #1

Ich verstand nicht, warum sich einer umbringen wollte. Auch nach all den Wochen verstand ich es nicht.
Also, irgendwie verstand ich es schon, aber ich verstand nicht, dass es einer wirklich versuchte.
Traurig sein und sich umbringen wollen, das waren zwei ganz verschiedene Paar Stiefel.
Ich wusste, was Depressionen waren. Meine Mutter hatte es mir erklärt. Das war, wenn einer bloß noch dasaß. Oder lag. Und nichts mehr tun konnte. Normalerweise führte ein Gedanke zum nächsten. Aber wenn man Depressionen hatte, führte kein Gedanke irgendwohin. Er hörte einfach auf.
Ein Gehirn mit Depressionen, das war wie ein Fahrrad mit einem kaputten Tretlager. Man konnte strampeln, wie man wollte, aber man kam doch nicht vom Fleck.

Bov Bjerg: Auerhaus. München, 2015

Hinweis für Fortgeschrittene: „Besser scheitern“

SWR RadioIm SWR lief im September der Radio-Essay „Besser scheitern: Das Panorama des Misserfolgs wird neu definiert“, der sich sehr tiefgreifend sozio-philosophisch mit einem Thema befasst, das für Menschen mit Burnout von sehr zentraler Bedeutung ist. Der Podcast gibt sehr viele Denkanstöße und ist sehr hörenswert. Allerdings nur für Menschen, die  schon weiter auf ihrem Weg zur Genesung sind und stabil! Das ist ein ernst gemeinter Hinweis.

Zur Erinnerung: „Macht die Großstadt krank?“

Max-PlanckNoch einmal sei an den interessanten Vortrag erinnert, der am Montag kommender Woche am Max-Planck-Institut für Psychiatrie gehalten wird:

„Macht die Großstadt krank? Stress, Burnout und Depression.“

  • Datum: 11.10.2016
  • Uhrzeit: 18 Uhr 30 bis 20 Uhr
  • Vortragender: Prof. Dr. Dr. Martin E. Keck
  • Ort: Hörsaal des Max-Planck-Institut für Psychiatrie

Hier geht’s zur Seite des Max-Planck-Instituts.

Aus der Ankündigung:

„Heute schon leben immer mehr Menschen in Großstädten, 2050 werden laut UN zwei Drittel aller Erdenbewohner in Städten wohnen. Menschen, die in Städten leben, erleiden häufiger eine psychische Erkrankung als die im ländlichen Raum. Bei affektiven Erkrankungen wie einer Depression ist das Risiko für Städter

Veranstaltungshinweis: Macht die Großstadt krank?

Max-PlanckDas Max-Planck-Institut für Psychiatrie kündigt einen einen interessanten Vortrag an:

„Macht die Großstadt krank? Stress, Burnout und Depression.“

  • Datum: 11.10.2016
  • Uhrzeit: 18 Uhr 30 bis 20 Uhr
  • Vortragender: Prof. Dr. Dr. Martin E. Keck
  • Ort: Hörsaal des Max-Planck-Institut für Psychiatrie

Hier geht’s zur Seite des Max-Planck-Instituts.

Aus der Ankündigung:

„Heute schon leben immer mehr Menschen in Großstädten, 2050 werden laut UN zwei Drittel aller Erdenbewohner in Städten wohnen. Menschen, die in Städten leben, erleiden häufiger eine psychische Erkrankung als die im ländlichen Raum. Bei affektiven Erkrankungen wie einer Depression ist das Risiko für Städter

Sozialer Stress: Warum reagieren manche mehr darauf als andere?

https://search.disconnect.me/image?l=aHR0cHM6Ly9lbmNyeXB0ZWQtdGJuMy5nc3RhdGljLmNvbS9pbWFnZXM/cT10Ym46QU5kOUdjU3RnT1FxcTJQR25kMUpRTzU3MjNscFlaRlhvZ3N5SXpIb2FmdVZtU3poOWh6TFFiOHNvdw==

Bauer, Joachim: Prinzip Menschlichkeit. Warum wir von Natur aus kooperieren. Hamburg 2006, S. 60ff.

„Manche Menschen können mit Verlusten besser umgehen als andere. Warum? Besonders Säuglinge und Kinder neigen in solchen Fällen zu Panik und biologischem Stress, da sie von sozialer Unterstützung weitaus abhängiger sind als Ältere. Aber auch Erwachsene reagieren außerordentlich stark, jedenfalls stärker, als andere Menschen dies in einer gleichartigen Situation tun würden. Wenn es nicht an der besonderen Schwere des Verlustereignisses liegt, kann dies dadurch bedingt sein, dass ein in frühen Jahren erlebter Mangel an Bindungen im späteren Leben der Betroffenen zu einem so genannten unsicheren Bindungsmuster geführt hat, was bedeutet, dass sich auf jedes befürchtetete oder tatsächliche Problem in zwischenmenschlichen Beziehungen eine ungewöhnlich heftige neurobiologische Angst- und Stressreaktion einstellt. […] Frühe Erfahrungen von mangelnder Fürsorge hinterlasen eine Art biologischen Fingerabdruck, indem sie das Muster verändern, nach dem Gene in späterer Zeit auf Umweltreize reagieren.*“

Sinn der Depression: Aufzeigen, dass wir an unseren Beziehungen etwas ändern müssen?

https://search.disconnect.me/image?l=aHR0cHM6Ly9lbmNyeXB0ZWQtdGJuMy5nc3RhdGljLmNvbS9pbWFnZXM/cT10Ym46QU5kOUdjU3RnT1FxcTJQR25kMUpRTzU3MjNscFlaRlhvZ3N5SXpIb2FmdVZtU3poOWh6TFFiOHNvdw==Bauer, Joachim: Prinzip Menschlichkeit. Warum wir von Natur aus kooperieren. Hamburg 2006

„Die Argumente, die den Menschen aus biologischer Sicht als Beziehungswesen ausweisen, beziehen sich auf drei fundamentale biologische Kriterien: Zum einen sind die Motivationssysteme des Gehirns in entscheidender Wiese auf Kooperation und Zuwendung ausgerichtet und stellen unter andauernder sozialer Isolation ihren Dienst ein. Zweitens führen schwere Störungen oder Verluste maßgeblicher zwischenmenschlicher Beziehungen zu einer Mobilmachung biologischer Stresssysteme. Aus beiden, sowohl aus der Deaktivierung der Motivations- als auch aus der Aktivierung der Stresssysteme, können sich gesundheitliche Störungen ergeben. Dies macht deutlich, dass Menschen nicht für eine Umwelt ‚gemacht‘ sind, die durch Isolation oder ständige Konflikte gekennzeichnet ist. Ein drittes, bislang nicht erwähntes neurobiologisches Kriterium, das den Menschen als Beziehungswesen kennzeichnet, ist das System der Spiegelnervenzellen. […] Das System dieser besonderen Zellen sorgt dafür, dass ein Individuum das, was es bei einem anderen Individuum der gleichen Art wahrnimmt, im eigenen Organismus – im Sine einer stillen inneren Simulation – nacherlebt. Dadurch ergeben sich weit reichende […] Möglichkeiten sozialer Resonanz.“

Beziehungsstress als Grund für Burnout, Depression & Herz-Kreislauf-Beschwerden

https://search.disconnect.me/image?l=aHR0cHM6Ly9lbmNyeXB0ZWQtdGJuMy5nc3RhdGljLmNvbS9pbWFnZXM/cT10Ym46QU5kOUdjU3RnT1FxcTJQR25kMUpRTzU3MjNscFlaRlhvZ3N5SXpIb2FmdVZtU3poOWh6TFFiOHNvdw==

Bauer, Joachim: Prinzip Menschlichkeit. Warum wir von Natur aus kooperieren. Hamburg 2006, S. 60ff.

„Wer Menschen nachhaltig motivieren will […], muss ihnen die Möglichkeit geben, mit anderen zu kooperieren und Beziehungen zu gestalten. […] Da sie mit der Ausschüttung der Glücksbotenstoffe Dopamin, Oxytozin und Opioide einhergehen, sind gelingende Beziehungen das unbewusste Ziel allen menschlichen Bemühens. Ohne Beziehung gibt es keine dauerhafte Motivation. Die von den Motivationssystemen ausgeschütteten Botenstoffe ‚belohnen‘ uns nicht nur mit subjektivem Wohlergehen, sondern […] auch mit körperlicher und mentaler Gesundheit. Dopamin sorgt für Konzentration und mentale Energie, die wir zum Handeln benötigen. Besonders gesundheitsrelevant ist jedoch das, was Oxytozin und die endogenen Opioide leisten: Sie reduzieren Stress und Angst, indem sie das Angstzentrum der Mandelkerne (Amygdala) und das oberste Emotionszentrum (Anteriorer Cingulärer Cortex) beruhigen. Belastete und belastende Beziehungen führen nicht nur zu einem ‚Sinkflug‘ der Motivationssysteme. Wenn die Ausschüttung von Oxytozin und Opioiden ausbleibt, entfallen auch die erwähnten beruhigenden Wirkungen auf das Angst- und das oberste Emotionszentrum. Dies hat eine neurobiologische Erregungsreaktion zur Folge. Im Normalfall, also bei Beziehungskonflikten, wie sie im Alltag laufend vorkommen, ist diese Reaktion durchaus sinnvoll, denn sie veranlasst uns, uns verstärkt um Kooperation und Normalisierung zu bemühen. Dauerhaft gestörte Beziehungen oder der vollständige Verlust tragender Bindungen können dagegen einen ‚Absturz‘ der Motivationssysteme zur Folge haben. Der Ausfall der beruhigenden Effekte auf die Emotionszentren kann sich in einer solchen Situation massiv bemerkbar machen. Über die Mandelkerne, die emotionalen Angstzentren des Gehirns, kann es dann zu einer Hochschaltung von Stressgenen und zur Ausschüttung von Alarmbotenstoffen  in tiefer gelegenen Hirnarealen kommen.* Abgesehen von der Möglichkeit massiver Aggressionsentwicklung, zeihen Beziehungskrisen oder Verluste in der Regel eine zweiphasige seelische Reaktion nach sich: Kurzfristig setzt meistens ein Gefühl von Schmerz und Erregung ein, das mit Angst, Panik, Trauer (oder Aggression) verbunden sein kann. Langfristig – das heißt, falls Beziehungsstörungen chronisch anhalten oder falls ein Verlust (noch) nicht verkraftet werden konnte – kann es zu verschiedenen Spielarten einer depressiven Störung kommen. Diese Reaktionsketten laufen unabhängig von unserer bewussten Kontrolle ab. Sie sind bereits bei Säuglingen zu beobachten.“

*“Bleibt bei schweren Krisen auf der Beziehungsebene die beruhigende Wirkung von Oxytozin auf die Mandelkerne (Amygdala) aus, schütten die Nervenzellen der Mandelkerne den erregenden Nervenbotenstoff (Neurotransmitter) Glutamat aus. Dieser aktiviert dann zwei in den tieferen Regionen des Gehirns gelegene Alarmzentren: Zum einen werden im Hypothalamus Stressgene angeschaltet (mit der Folge, dass es im Körper zu einer Erhöhung des Stresshormons Cortisol kommt). Zum andere aktiviert das von den Mandelkernneuronen ausgeschüttete Glutamat Alarmzentren des Hirnstamms, wo es dann unter anderem zur Ausschüttung von Noradrenalin kommen kann. Noradrenalin setzt das gesamte ‚Panikorchester‘ des Körpers in Gang, einschließlich Herz, Kreislauf und Psyche.“

2 of 3
123