Angst

Welche Art von Angst?

„Die Vorstellung, was die anderen von einem denken und was sie denken, was man von ihnen denkt, wird so zu einer Quelle von sozialer Angst. Es ist nicht die objektive Lage, die die einzelne Person belastet und kaputt macht, sondern das Empfinden, im Vergleich mit signifikanten Anderen den Kürzeren zu ziehen.“

Heinz Bude: Gesellschaft der Angst

„Angststress ist Sinnstress“

Die Angst kommt daher, dass alles offen, aber nicht ohne Bedeutung ist. Man glaubt, in jedem Moment mit seinem ganzen Leben zur Disposition zu stehen. Man kann Umwege machen, Pausen einlegen und Schwerpunkte verschieben; aber das muss einen Sinn machen und zur Vervollkommnung des Lebenszwecks beitragen. Die Angst, einfach so dahinzuleben, ist schwer ertragbar. Angststress ist Sinnstress, von dem einen kein Staat und keine Gesellschaft erlösen kann [sic].“

Heinz Bude: Gesellschaft der Angst. Hamburg 2014

Burnout. Warum? #2

„Zu unterliegen ist etwas grundsätzlich anderes, als zu versagen. Diese Angst rieselt feiner, setzt sich dafür auch tiefer in den Poren fest.“

Heinz Bude (Gesellschaft der Angst)

Burnout. Warum? #1

„Es ist die Angst, nicht zu genügen, an Maßstäben, die einem undurchsichtig sind.“

Heinz Bude (Gesellschaft der Angst)

Wo das Leistungs- und Überforderungsproblem beginnt…

„Der zentrale Sozialisationseffekt von weiterführenden Schulen und dann der Hochschule besteht in der Einübung von Leistungsmotivation als Voraussetzung für Erfolgstüchtigkeit. Die Aufstiegsenergie wird in den Bildungsinstitutionen durch die Ausrichtung auf die Bildungsziele ausgekühlt und abgerichtet. Das Lehrpersonal verteilt Noten bekanntlich nicht nur für formelle Leistungserbringung, sondern auch und besonders für informelle Habitusdurchdringung. Die Heranwachsenden sollen lernen, sich einzubringen, auszudrücken und insgesamt eine gute Figur zu machen.“

Heinz Bude: Gesellschaft der Angst

Hoffen auf Glück als Falle

Man erofft nur, was man nicht hat. Hofft man auf Glück, heißt das, dass es einem fehlt. Ist es da, worauf soll man dann noch hoffen? Dass es bleibt? Das heißt, man fürchtet, dass es zu Ende gehen könnte, und da löst sich das Glück bereits in Angst auf. Das ist die Falle der Hoffnung, mit oder ohne Gott: Vor lauter Hoffen auf das Glück von morgen verbieten wir uns, es heute zu leben.“

Comte-Sponville, André: Woran glaubt ein Atheist? Zürich, 2014.

Ist Angst immer schlecht?

„Die Forschung zeigt immer wieder, dass vollkommene Angstfreiheit die Leistungsfähigkeit in gleichem Maße herabsetzen kann wie extreme Ängste, vor allem wenn es um komplizierte Aufgaben geht.“

Oettingen, Gabriele: Die Psychologie des Gelingens. München, 2014

Was du während einer Panikattacke denkst

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Dinge, die du während deiner ersten Panikattacke denkst

  1. Jetzt sterbe ich.
  2. Ich werde verrückt, endgültig.
  3. Das hört nie auf.
  4. Es wird immer schlimmer.
  5. Kein Herz ist dafür gemacht, so schnell zu schlagen.
  6. Ich denke viel zu schnell.
  7. Niemand hat je so was erlebt. Nie. In der ganzen Menschheitsgeschichte nicht.
  8. Warum sind meine Arme so taub?
  9. Ich überstehe das nicht.

 

Dinge, die du während deiner tausendsten Panikattacke denkst

  1. Jetzt geht es los.
  2. Ich kenne das schon.
  3. Puh, aber es ist echt schlimm.
  4. Vielleicht sterbe ich.
  5. Ich sterbe nicht.
  6. Ich bin eingeschlossen.
  7. So schlimm war es noch nie.
  8. Nein, stimmt nicht. Denk an Spanien.
  9. Warum sind meine Arme so taub?
  10. Ich überstehe das.

Aus: Matt Haig: Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben, München 2016

Schlecht drauf? Ganz normal. Hierzulande.

br2 RadiowissenFür alle, die häufiger das „graue Gefühl“ beschleicht und die sich gelegentlich die Frage stellen, warum das eigentlich so ist: Tröstet Euch: Das ist ganz normal – gerade bei uns Deutschen!

Warum? Das erfahrt Ihr im philosophischen und kulturhistorischen BR2-Podcast:  „Unfähig zu genießen? – Die Deutschen und die Lebensfreude.

Ein sehr hörenswerter und deshalb wärmstens empfohlener Beitrag von Michael Conradt!