In eigener Sache: Wir sind dann mal weg!

Liebe Leserin, lieber Leser!

Es ist Euch vielleicht schon aufgefallen, dass wir in letzter Zeit wenig gepostet haben. Das kommt daher, dass wir – auch coronabedingt – unser Gruppenleben zurückgefahren haben.

Wir sind also dann mal auf unbestimmte Zeit weg. Einige der Inhalte sind ja aber zeitlos, und so hoffen wir, dass sie weiterhin hilfreich sind.

Vielen Dank für Euer Interesse an unserer Arbeit! Alles Gute!
Die Münchner Burnout-Selbsthilfegruppe Yourway2Life

Hach ja… #88

„Die Ideologie einer Leistungsgesellschaft, in der der gesellschaftliche Status eines Menschen durch seine individuell erbrachten Leistungen bestimmt sei, ist so tief in unserer Kultur verankert, dass wir sie gar nicht mehr als Ideologie bemerken. Schule, Universitäten und der gesamte Bildungsbereich dienen ihrer Verbreitung und sind auf ihrer Grundlage organisiert. Sie führt bei denjenigen, die nicht zu den sozial glücklich Gestellten einer Gesellschaft gehörten, dazu, dass dies sich die Ursachen für ihre Situation selbst zuschreiben. Sie erzeugt daher bei einem großen Teil der Bevölkerung angst- und schamauslösende Versagensgefühle.“

Rainer Mausfeld: Angst und Macht.

Spiegel.de: Wenn der Chef krank macht

Im Spiegel war neulich ein lesenswerter Artikel darüber zu lesen, inwiefern das Verhalten von Führungskräften Einfluss auf Stress und psychische Gesundheit haben: Wenn der Chef krank macht.

Darin ist auch von einer aktuellen jährlichen Untersuchung der DAK die Rede, die besagt, dass 2019 die Fehltage von Arbeitnehmern wegen Depressionen, Angst- oder Belastungsstörungen auf den höchsten Stand seit 1997 gestiegen sind. Damit hat sich die Zahl mehr als verdreifacht.

Du bist nicht allein #19

„Ich werde immer schwermütig sein, aber es tröstet mich, dass ich die dunkle Seite nun als dominierende akzeptieren kann. Indem ich sie akzeptiere, kann ich sie mir zunutze machen.“
Samuel Beckett

Die Folgen von zu vielen Arbeitsstunden…

„Eine der längsten je durchgeführten Längsschnittstudien über die physiologischen Auswirkungen der Arbeit begann in den 1970er Jahren unter Michael Marmot. Heute kann diese Studie die Folgen von Überstunden und Stress über die gesamte Lebenszeit von 10 000 Beamten in Whitehall verfolgen. Und die Daten öffnen uns die Augen. Diejenigen, die 55 oder mehr Stunden pro Woche arbeiten, erfahren ab der Mitte ihres Lebens kognitive Verluste. Ihre getestete Leistung ist in vielem schlechter: Wortschatz, logisches Denken, Informationsverarbeitung, Problemlösung, Kreativität und Reaktionszeit. Dieser Grad an leichter kognitiver Beeinträchtigung im mittleren Alter sagt auch eine frühere Demenz und einen früheren Tod voraus. Lange Arbeitszeiten und Schlafentzug machen das Gehirn immer träger; soweit, bis wir zu müde sind, um zu erkennen, was wir uns selbst antun.“

Heffernan; Margaret: Wilful Blindness. London 2011

BR Radiowissen: Leistung und Leistungsgesellschaft

Wer sich fragt, wo Burnout (vielleicht ja auch der eigene) und die stressbedingten persönlichen und gesellschaftlichen Krisen herkommen, mit welchen wir dieser Tage konfrontiert sind – die eine vielleicht mehr, der andere weniger – sei wärmstens auf diesen wirklich supertollen und sehr sehr hörenswerten Radiowissen-Podcast des Bayerischen Rundfunks hingewiesen: Die Leistungsgesellschaft – Ein Phänomen der Moderne.

Alle, die Root Cause Analysis betreiben wollen, werden hier fündig. Vielleicht nicht hilfreich für die akute Burnout-Krise, aber um zu verstehen, wie es dazu kam und zu verstehen, dass man nicht allein ist und warum dem so ist, sehr sehr empfehlenswert.

Im Podcast kommt auch die Historikerin Nina Verheyen zu Wort, die ein ebenso tolle und lesenswertes Buch zu jenem Thema geschrieben hat, das von Burnout Betroffenen Menschen und alle, die gesund leisten wollen die Augen öffnet: Verheyen, Nina: Die Erfindung der Leistung. München, 2018. (Übrigens im Moment noch kostenlos bei der Bundezentrale für Politische Bildung in einer Sonderausgabe  zu haben – gegen Porto.)

 

„Ich glaube nämlich, dass in der Welt viel zu viel gearbeitet wird“

„Wie die meisten meiner Generation bin ich nach dem Sprichwort ‚Müßiggang ist aller Laster Anfang‘ erzogen worden. Da ich ein sehr braves Kind war, glaubte ich alles, was man mir sagte; und so entwickelte sich mein Pflichtgefühl derart, dass ich zeit meines Lebens und bis zum heutigen Tage nicht umhin konnte, immer schwer zu arbeiten. Aber wenn mir auch mein Handeln vom Gewissen vorgeschrieben war, so hat sich doch in meinen Ansichten eine Revolution vollzogen. Ich glaube nämlich, dass in der Welt viel zu viel gearbeitet wird, dass die Überzeugung, Arbeiten sei an sich schon vortrefflich und eine Tugend, ungeheuren Schaden anrichtet, und dass es nottäte, den modernen Industrieländern etwas ganz anderes zu predigen, als man ihnen bisher immer gepredigt hat.“

Betrand Russel: Lob des Müßiggangs. München 2019

Wo beginnen?

Wenn wir auf eine Veränderung unserer Eltern oder unseres Partners, unserer Partnerin warten, kann das lange dauern, vielleicht verbringen wir unsere ganze Zeit nur mit diesem Warten. Also ist es besser, bei sich selbst anzufangen. Versuchen Sie nicht, andere zu Veränderungen zu zwingen. Auch wenn es lange dauert, Sie werden sich besser fühlen, wenn Sie bei sich selbst ansetzen und Ihr Bestes tun.

Thich Nhat Hanh

Warum es sich lohnt, daran zu arbeiten

Manchmal tun wir uns in der eigenen Familie besonders schwer damit, gut miteinander umzugehen und zu kommunizieren, weil wir ähnlich leidvolle Erfahrungen teilen und auch in ähnlicher Weise auf Leidvolles reagieren. Das Leid unsere Eltern wurde ihnen von ihren Eltern übertragen und denen von ihren jeweiligen Vorfahren. Erst wenn Sie ihr eigenes Leid zu verstehen beginnen und sich mit sich selbst versöhnen, wird dieses Leid nicht mehr an künftige Generationen weitergegeben. Die Arbeit der achtsamen Kommunikation ist also nicht nur für uns unsere Liebsten wichtig, sondern auch für unsere Nachfahren.

Thich Nhat Hanh

1 of 42
12345