TK-Podcast über Depression & Burnout

Die Techniker Krankenkasse hat die Podcast-Serie „Ist das noch gesund?“ ins Leben gerufen. Im Gespräch mit Experten, Laienexperten und Betroffenen wird zu wichtigen Gesundheitsfragen aufgeklärt. Eins der ersten Themen ist „unseres“: Depression und Burnout: „Du bist nicht mehr du selbst.“ – Was Depressionen mit einem machen können

In einem offenen, guten, fundierten und vor allem wohltuend unaufgeregten Gespräch mit dem Psychiater Dr. Gernot Langs und Kati Krause, die 2014 selbst an einer schweren Depression erkrankte, geht die Moderatorin Dr. Yael Adler wirklich sämtliche wichtige Fragen an, die uns in unserer Arbeit in der Selbsthilfegruppe auch stets bewegen: Entstehung, Ursachen und Hintergründe, Symptome,  Anlaufstellen, Informationsbeschaffung, Behandlungsmöglichkeiten, Therapieformen, Therapeutensuche, Umgang mit Familie, Freunde und Arbeitgeber, Medikation…

Für alle direkt und indirekt Betroffene also, die sich einen guten fundierten Überblick über das weite Feld Depression und Burnout verschaffen möchten, SEHR (!) empfehlenswert!

Depression: „Du bist nicht mehr du selbst.“ – Was Depressionen mit einem machen können

Es gibt Hoffnung…

..schließlich kann es nur besser werden angesichts der vielen Menschen, die an Erschöpfungsszuständen leiden. In diesem Sinne wünscht Yourway2life allen Betroffenen ein gutes neues Jahr!

Wir Menschen halten sehr viel auf unsere Fähigkeit, logisch zu denken und überlegt und also: vernünftig zu handeln. Und das aus gutem Grund. Denn dieser Vorteil hat uns im evolutionären Wettstreit zweifellos viel gebracht. Möglich gemacht hat diesen Erfolg die spezifische Entwicklung des menschlichen Gehirns. Seit jeher sorgt es mit bewundernswerter Höchstleistung tagtäglich und buchstäblich pausenlos dafür, dass wir unseren immer komplexer werdenden Alltag relativ mühelos bewältigen. Das Gehirn ist ein immens wichtiger Teil unseres Körpers, es ist DAS Zentralorgan. Wer wollte das ernsthaft bestreiten?

Umso erstaunlicher ist allerdings, dass sehr viele, vielleicht sogar die meisten Menschen schwer bis gar nicht akzeptieren können oder wollen, dass auch dieser so wichtige Teil unseres Körpers krank werden kann – und das auch tut: Innerhalb eines Jahres leiden mehr als ein Drittel der erwachsenen Frauen und ein Viertel der Männer wenigstens einmal unter einer so großen psychischen Störung, dass sie ärztlich behandelt werden sollte./1/ Es ist eine Tatsache: Erkrankungen des Gehirns,

Spektrum.de: Wieviel Arbeit ist gesund?

Menschen, die auf einmal von Burnout betroffen sind, haben sich gar nicht mal so selten mit der Frage zu beschäftigen, ob da nicht Arbeitssucht im Spiel ist. In unserer Leistungsgesellschaft ist das eigentlich nicht weiter verwunderlich, was die Angelegenheit freilich nicht unbedingt leichter macht. Es zeigt nur, dass nicht nur von Burnout direkt betroffene Menschen aufgefordert sind, sich Gedanken darüber zu machen, wie viel Arbeitspensum gut für sie ist.

Ein interessanter Artikel zu diesem Thema fand sich kürzlich auf spektrum.de: Wie viel Arbeit tut uns gut?

Es zeigt sich: Wie bei jeder Droge, so ist’s auch mit der Arbeit. Wir brauchen sie für unser Wohlbefinden. Doch zuviel davon, und die Dinge kehren sich ins Gegenteil. Es gilt also auch hier: Die Dosis macht das Gift.

Warum Achtsamkeit? Zumindest nicht (alleine) der Entspannung wegen

„Es gibt keine andere Wirklichkeit, als die gegenwärtige Wirklichkeit, so daß – selbst wenn man endlose Zeitalter leben würde – ein Für-die-Zukunft-leben immerwährend am eigentlichen Punkt vorbeigehen würde. Es ist gerade die Realität der Gegenwart, dieses bewegte, lebendige JETZT, das sich aller Erklärung und Beschreibung entzieht. Hier ist diese mysteriöse, wirkliche Welt, die Worte und Ideen nie festzunageln vermögen. Immer nur für die Zukunft leben heißt, daß wir nicht mehr in Fühlung sind mit der Quelle und dem Mittelpunkt des Lebens, und als Ergebnis kam all die Magie des Benennens und Denkens zu etwas, wie einem vorübergehenden Zusammenbruch.“

Alan Watts: Weisheit des ungesicherten Lebens

Hach ja… #83

„Wer sich immer danach richtet, was andere von einem wollen und nicht lernt, auf sich selbst zu hören, wird keine eigene Identität ausprägen können.“

Michael Bordt

Die neue Norm…

„Hochleistung ist nicht mehr temporäres Ausnahmephänomen, sondern das intendierte und durch den Lifestyle abgestützte Normal-Soll.“

Falko Ameln/Peter Heintel: Macht in Organisationen. Stuttgart, 2016.

 

Und wieder mal: Darüber sprechen? Oder besser nicht?

Können sich Betroffene zu Ihrem Burnout öffnen? Sollten wir das vielleicht sogar verstärkt? Oder doch besser nicht? Die Erfahrungen von Betroffenen sind ja meist durchwachsen. Allerdings: Im öffentlichen Diskurs verändere sich etwas zum Besseren. Firmen gehen offener und besser mit dem Leistungstabu Burnout um. Das zumindest findet Diplom-Psychologin Madeleine Leitner im Interview auf t3n.de. Die meisten Betroffenen würden es sich wohl wünschen: „Wie du im Job über Burnout reden kannst.

 

Das Ideal der Leistung – und seine Folgen

„Aus einer kapitalismuskritischen Sicht lassen sich die aktuellen Subjektivierungstendenzen eher als ultimativer Sieg des Kapitalismus beobachten: Während der Kapitalismus bisher noch auf die hierarchische Kontrolle der widerständigen Arbeitskräfte angewiesen war, hat sich die Kopplung von Karriere mit Selbstbild und Identität der Subjekte mittlerweile soweit verfestigt, dass diese das Ideal der Leistung ‚beyond the call of duty‘ zum Ziel ihrer Selbstverwirklichung erkoren haben. […] So lässt sich die drastische Zunahme psychischer Erkrankungen als Symptom der entgrenzten Arbeitswelt lesen, die die Menschen zu selbstschädigendem Verhalten verleitet. […] Aus dieser Perspektive wären der mit der neuen Arbeitswelt für viele Arbeitnehmer verbundene Zugewinn individueller Freiheiten und das Risiko der Selbstausbeutung zwei Seiten derselben Medaille.“

Ameln, Falko; Heintel, Peter: Macht in Organisationen. Denkwerkzeuge für Führung, Beratung und Change Management. Stuttgart, 2016.

Ist Burnout ein gesundes Muster?

Leiden ist also der Anstoß zum Erkennen falscher Grenzen. Richtig verstanden, ist es daher befreiend, denn es weist über alle Grenzen hinaus. Wir leiden also nicht, weil wir krank sind, sondern weil kluge Einsicht aufsteigt. Damit die Geburt der Einsicht nicht fehlschlägt, ist jedoch das richtige Verstehen des Leidens notwendig. Wir müssen es richtig deuten, um in es hineinzugehen, es zu leben und schließlich über es hinaus zu leben. Wenn wir das Leiden nicht richtig verstehen, bleiben wir einfach mittendrin stecken – wir suhlen uns darin, weil wir nicht wissen, was wir sonst tun sollen.“

Wilber, Ken: Wege zum Selbst. Östliche und westliche Ansätze zu persönlichem Wachstum. München, 2008

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