Allan Watts: Weisheit des ungesicherten Lebens

„Die Wunder der Technik zwingen uns, in einer hektischen Uhrwerks-Welt zu leben, die der menschlichen Biologie Gewalt antut und uns zu weiter nichts befähigt, als der Zukunft schneller und schneller nachzueilen. Bedachtsames Überlegen sieht sich außerstande, das Stärkerwerden der Bestie im Menschen zu beherrschen, einer Bestie, noch bestialischer als irgendein durch die Jagd nach einer Illusion verrücktes und verzweifelts, wildes Tier. Die Spezialisierung in Wortbildung, Einordnung und mechanischem Denken hat den Menschen viele wunderbare Kräfte des ‚Instinktes‘ verlieren lassen, die seinen Körper beherrschen. Es hat ihn darüber hinaus vollkommen abgetrennt vom Weltall und seinem eigenen ‚ICH‘ – wenn alle Philosophie sich in Relativismus aufgelöst hat und keinen festen Sinn mehr aus dem Weltall machen kann, – elend, unsicher und gehetzt und empfindet die wirkliche Welt als einen glatten Gegensatz zu seinem Sein. […]
Die einzige Neuigkeit daran ist, daß diese Verlegenheit nun eher eine soziale, als eine individuelle ist; sie ist weithin empfunden, nicht nur auf einige begrenzt. Fast jede geistige Tradition erkennt, daß einmal ein Punkt kommt, wo zwei Dinge geschehen müssen: der Mensch muss sein abgetrenntes Ich-Empfinden aufgeben und muß der Tatsache ins Auge sehen, daß er die letzten Dinge nicht wissen, das heißt, nicht erklären kann.“

Allan Watts: Weisheit des ungesicherten Lebens

Hach ja… #82

„Das Gefühl war Kitsch, im Kern Depression, aber darüber wusste Holtrop, dessen Existenz bisher komplett von außen stabil gehalten worden war, wenig. Auch hatte er keine Erfahrung damit, wie die Leere der inneren Räume, die sich ihm plötzlich in den Gefühlsregungen öffneten, zu begehen, zu verstehen, ins Lebensganze hinaus zurückzuübersetzen wäre, er wusste gar nicht wie das geht, in Dialog mit seinem Ich zu leben.“

Rainald Goetz: Johann Holtrop.
Frankfurt am Main, 2010

Ein individuelles Problem? Oder ein sozialer Trend?

„Anders ausgedrückt, die Arbeit ist für über 90 Prozent der Arbeitnehmer weltweit viel öfter eine Quelle der Frustration als eine Quelle der Erfüllung. Was für eine soziale, emotionale und vielleicht sogar ökonomische Verschwendung: 90 Prozent der Erwachsenen verbringen die Hälfte ihres wachen Daseins damit, Dinge zu tun, die sie lieber nicht täten, und das an einem Ort, an dem sie lieber nicht wären.“

Schwartz, Barry: Warum wir arbeiten? Frankfurt am Main, 2015

Die Kunst, die Eltern zu enttäuschen

Die Kunst, die Eltern zu enttäuschen, besteht darin, mit sich selbst, mit den eigenen inneren Dynamiken zurechtzukommen und so mit versöhntem Herzen zu kämpfen.“

Bordt, Michael: Die Kunst, die Eltern zu enttäuschen. Vom Mut zum selbstbestimmten Leben. München, 2017

Worauf es bei der Genesung ankommt

„Also enthält jedes Symptom – eine Depression, Angst, Langeweile oder Furcht – irgendeine Facette des Schattens, eine projizierte Emotion oder einen Zug oder eine Eigenschaft. Wir müssen verstehen, dass unsere Symptome, so unangenehm sie sein mögen, nicht mit Widerstand belegt, geringgeschätzt oder vermeiden werden dürfen, denn sie enthalten den Schlüssel zu ihrer eigenen Auflösung. Ein Symptom bekämpfen heißt, lediglich, den in dem Symptom enthaltenen Schatten bekämpfen und das ist ja gerade, was am Anfang das Problem verursacht hat.“

Wilber, Ken: Wege zum Selbst. Östliche und westliche Ansätze zu persönlichem Wachstum. München, 2008

Worauf kommt es an?

„Vor seinem Ende sprach Rabbi Sussja: In der kommenden Welt werde ich nicht gefragt werden: ‚Warum bist du nicht Moses gewesen?‘ Die Frage wird vielmehr lauten: ‚Warum bist du nicht Sussja gewesen?'“

Zitiert nach Remo Largo: Das passende Leben.

Hach ja… #81

„Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen.“

Albert Schweitzer

Welche Rolle spielt die Kindheit?

Wer in einen Burnout rutscht, fragt sich meist, wie es dazu kommen kann. Eine Antwort liegt oft in der Kinderheit. Hier der Hinweis auf eine hörenswerte Sendung auf SWR 2, die sich mit diesem und noch einem anderen Thema auseinandersetzt, das im Burnout dann eine Rolle spielt: Veränderung meistern von Ingrid Strobl.

Hach ja… #80

„Je mehr wir […] gezwungen werden, zuzugeben, daß wir tatsächlich in der wirklichen Welt leben, um so unwissender, ungewisser und unsicherer fühlen wir uns hinsichtlich aller Dinge.“

Alan Watts: Weisheit des ungesicherten Lebens

Vom Burnout erzählen? Warum? Und wie?

Wie sehr darf oder soll man sich zu seinem Burnout öffnen? Was darf, kann oder soll man davon preisgeben? Diese Frage treibt uns bei unseren Treffen im Gespräch oft um. Jeder geht damit anders um. Ich bin nach und nach dazu übergegangen, meine Geschichte zu erzählen – im richtigen Umfeld. Denn ich bin der Ansicht, dass wir das gesellschaftliche Tabu um dieses wichtige Thema wertschätzend, d.h. ohne Gram oder Agressivität, auflösen sollten. Wie sonst sollen wir einen gemeinsamen Weg hin zu einem allgemein gesunden und zufriedenen (Zusammen-) Leben finden? (Geschweige denn zu guter Zusammenarbeit?)

Aus diesem Grund ließ ich mich neulich von Tobias Niewöhner vom Podcast

Melanie Goel über ihr Leben mit und nach dem Burnout

Die ehemalige Burnout-Betroffene Melanie Goel berichtet hier auf XING, wie es zu ihrem Burnout kam und wie sie heute lebt. Das ist alleine schon deshalb anerkennens- und lesenswert, weil sie sehr offen ausspricht, was uns alle sehr oft umtreibt.

 

PS: Bemerkenswert – und wie so oft in der Netzwelt – auch ein bisschen alarmierend ist, auf welche teilweise irritierend aggressive Art der Artikel kommentiert wird. Liebe Betroffene, die ihr vielleicht gerade akut in der Krise seid und deshalb vielleicht auch ein bisschen labil: Erspart euch diesen Teil des Posts dann besser erst einmal.

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