(Selbst-) Ausbeutung in der Leistungsgesellschaft

_muedigkeitsgesellschaftDie Arbeits- und Leistungsgesellschaft ist keine freie Gesellschaft. Sie erzeugt Zwänge. Die Dialektik von Herr und Knecht führt am Ende nicht zu jener Gesellschaft, in der jeder ein Freier ist, der auch zur Muße fähig wäre. Sie führt vielmehr zu einer Arbeitsgesellschaft, in der der Herr selbst ein Arbeitsknecht geworden ist. In dieser Zwangsgesellschaft führt jeder sein Arbeitslager mit sich. Die Besonderheit dieses Arbeitslagers ist, dass man Gefangener und Aufseher, Opfer und Täter zugleich ist. So beutet man sich selbst aus. Dadurch ist die Ausbeutung ohne Herrschaft möglich.

Byung-Chul Han: Müdigkeitsgesellschaft. Berlin 2016

Hach ja… #58

„Stress ist immer auch das Ergebnis eines empfundenen Zwanges: Ich kann nur so und nicht anders handeln – auch wenn ich es nicht will oder es mir schadet.“

Bongartz, Ralf: Nutze deine Angst. Wie wir in Gewaltsituationen richtig reagieren. Frankfurt am Main, 2013

Was ist eine Krankheit?

„Eine Krankheit im medizinischen Sinne ist ein regelwidriger körperlicher oder geistiger Zustand, der eine Heilbehandlung erfordert.“

Aus: Rechtliche und praktische Probleme der krankheitsbedingten Kündigung. Von Christian Betz-Rehm, André A. Schiepel, Katharina Kanne

Oliver Kahn: Überforderung macht Spaß?

Kahn, Oliver: Ich. Erfolg kommt von innen. München, 2008

Das Irre ist, dass man selbst im Augenblick der reinen Erschöpfung sich nicht zwangsläufig daranmacht, etwas dagegen zu unternehmen. Etwa eine Pause zu machen. Abstand zu gewinnen. Oder gar ganz aufzuhören. Mein langjähriger Trainer und – man muss fast sagen – Weggefährte durch viele Triumphe und Niederlagen, Ottmar Hitzfeld, hat es mal perfekt auf den Punkt gebracht. Er sprach von der Schicksalsgemeinschaft der „Gezeichneten“, der „Ausgelaugten“, nicht ohne aber gleich hinzuzufügen: den „Besessenen“. Da ticken wir beide absolut synchron: Wenn wir in der Position waren, die Hand nach drei Titeln innerhalb einer Saison auszustrecken, dann wollten wir die Dinger auch heimfahren. Selbst wenn wir längst auf Reserve liefen. Selbst wenn wir den Karren dazu hätten kilometerweit schieben müssen, barfuß oder auf den Knien oder überhaupt nur noch auf dem Boden robbend. Und wir hatten sogar noch Spaß dabei, unbedingten Spaß. Es ist toll, aber es ist nicht gut – ein Widerspruch? Es ist ein bisschen wie mit einem Waldbrand. Ein Funke, und man brennt, lichterloh. Das Bild stimmt vollumfänglich: Man droht dabei auch abzubrennen. Es bleibt dann nicht viel über.

Aus: Kahn, Oliver: Ich. Erfolg kommt von innen. München, 2008

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