Das soll nicht heißen, dass der Mensch einfach ein Opfer von Systemen ist, die ihm ein bestimmtes Verhalten aufzwingen. Häufig haben wir diese Strukturen selbst geschaffen. Das hat aber wenig Bedeutung, solange man die Strukturen nicht erkennt. Für die meisten Menschen sind die Strukturen, in denen wir uns bewegen, unsichtbar. Wir sind weder Opfer noch Täter, sondern Menschen, die noch nicht gelernt haben, wie sie die Kräfte wahrnehmen können, von denen sie gesteuert werden.
Aus: Senge, Peter M.: Die fünfte Disziplin. Kunst und Praxis der lernenden Organisation. Stuttgart, 2011.
Der Begriff Burnout kommt in meiner Denkwelt nicht vor (zu Recht, wie ich später lernen werde), vor allem weil er so modisch ist. Wenn ich schon durchdrehe, möchte ich wenigstens eine extravagante Krankheit haben. Er kommt auch deshalb nicht vor, weil ich Burnout bekloppt finde. Wieso soll ich ausgebrannt sein? Es ist ja gar nicht so, dass ich bilderbuchmäßig 20 Stunden am Tag arbeite. Wenn jemand Burnout haben müsste, dann am ehesten die Bundeskanzlerein. Hat sie aber nicht. Und ich schon gar nicht.
[…] In Wirklichkeit bin ich längst verloren, ich kann mir nur noch nicht erklären, wieso und weshalb und bin deshalb nicht bereit zu aktzeptieren, dass ich fertig bin. Es trennt mich nicht mehr viel davon, ein psychisches Wrack zu sein.
Quälende zwei weitere Wochen wird dieser Zustand anhalten, sich sogar massiv verstärken: manchmal werde ich zuversichtlich sein, manchmal werde ich in tiefe Depressionen rutsch. Und immer werde ich unruhig sein. Von Tag zu Tag kenne ich mich selbst immer weniger. Mein Körper wird mir fremd, nicht nur weil ich immer mehr abnehme, auch weil ich nicht mehr klarkomme mit dem, was mein Körper da mit mir veranstaltet. Mittlerweile habe ich alle Kategorein von Ärzten aufgesucht, bin einmal komplett durchgecheckt, nicht mal einen neurologischen Befund gibt es, meine Nerven sind intakt, das klingt für mich so absurd, das passt nicht zu meiner Konstitution, ausgerechet meine Nerven sollen in Ordnung sein!
Aus: Striemer, Rüdiger: Raus! Mein Weg von der Chefetage in die Psychiatrie und zurück. Berlin, 2015.
WAHRHEIT: Die Menschen wissen selbst, was sie zu tun haben. Die Frage ist vielmehr, was hält sie davon ab? FURCHT: Jetzt sagst du bestimmt, ich halte sie davon ab. WAHRHEIT: Furcht, du denkst, jeder ist dein Feind. Aber das stimmt nicht. Der andere ist nicht dein Feind. Ebenso wenig wie Leid und Schmerz. Und schon gar nicht ich. FURCHT: Du bist nicht mein Feind? Ha! Ich weiß ganz genau, was du von mir hältst. WAHRHEIT: Ich halte eine ganze Menge von dir. Vor allem bin ich dir dankbar. FURCHT: Du bist mir dankbar? Seit wann das denn? WAHRHEIT: Du bist mein Lehrer, Furcht. Du tauchst dort auf, wo etwas nicht stimmt. Dort, wo Misstände herrschen, die behoben werden müssen. FURCHT: Das ist keine Dankbarkeit. Das ist ein Vorwurf. WAHRHEIT: Ist es ein Vorwurf, wenn ich sage, dass ich ohne dich nicht gewusst hätte, in welche Richtung ich gehen soll? All die Jahre hast du mir gesagt, was ich nicht tun soll. Und das war genau das, was ich tun musste. Deshalb stimmt es tatsächlich, Furcht. Sogar dir bin ich dankbar. (lange Pause) FURCHT: Ich kann es nicht leiden, wenn du das machst. WAHRHEIT: Was denn? FURCHT: Anerkennung zeigen. Da fühle ich mich… schwach. (noch eine lange Pause) FURCHT: Und sieh mich nicht so an. Du weißt genau, was das in mir auslöst. (Die Wahrheit sieht die Furcht weiterhin an. Und dann, kaum hörbar…) FURCHT: Ich will mich nicht mehr unterhalten. WAHRHEIT: Verstehe. FURCHT: Aber verschwinden tue ich noch lange nicht, klar? Du wirst noch von mir hören. Das nächste Mal, wenn irgendwas nicht läuft, wie du’s gerne hättest. Oder wenn du eine Enttäuschung einstecken musst. WAHRHEIT: Ich will es stark hoffen. Wie soll ich sonst wissen, was ich nicht tun soll?
Aus: Tom Shadyac: Leben. Eine Gebrauchsanweisung. München, 2016.
Wenn wir immer besser lernen, Wechselbeziehungen wahrzunehmen, verschwinden allmählich ältere Vorstellungen von Schuld und Versagen. Wir erkennen allmählich, dass alle Menschen in Strukturen gefangen sind, Strukturen, die sowohl in unseren Denkweisen als auch in unseren zwischenmenschlichen und sozialen Beziehungen verankert sind. Unsere spontane Neigung, nach Fehlern bei anderen zu suchen, nimmt allmählich ab und weicht einem tieferen Verständnis für die Kräfte, innerhalb derer wir alle operieren.
Aus: Senge, Peter M.: Die fünfte Disziplin. Kunst und Praxis der lernenden Organisation. Stuttgart, 2011.
Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie lädt einmal mehr zu einem interessanten Vortrag ein:
„Ich muss das tun, ich kann nicht anders – wenn der Zwang den Alltag bestimmt“
von Frau Dr. med. Angelika Erhardt.
1.4.6.2016, 18:30 – 20:00
Hörsaal des Max-Planck-Institut für Psychiatrie
Kraepelinstr. 2-10, 80804 München
Aus der Ankündigung:
„Etwa 2 bis 3 % der Weltbevölkerung leiden an Zwangsstörungen. Wesentliche Kennzeichen dieser Erkrankungen sind wiederkehrende Gedanken und Handlungen, die sich aufdrängen, unangenehm sind und sinnlos erscheinen. Erfolglos versuchen die Betroffenen sich dagegen zu wehren.
Wir stellen fest: […] Daß alle ad hoc-Maßnahmen die tieferen Ursachen des Problems unberührt lassen, und, was noch schlimmer ist, sie tendentiell sogar noch verstärken und verdichten. In der Medizin ist es sogar dann und nur dann angezeigt, die Symptome zu behandeln, ohne die Krankheit selbst zu heilen, wenn die Krankheit entweder mit Sicherhiet das Ende bedeutet oder sich von selbst heilen wird.
Aus Gregory Bateson: Die Wurzeln ökologischer Krisen. In: Bateson, Gregory: Ökologie des Geistes. Frankfurt a.M., 1981, S. 627
„Die Lebensgeschichte der resilienten Individuen haben uns gelehrt, dass Kompetenz, Zutrauen und Zuwendung auch unter widrigen Umständen blühen können, sofern Kinder erwachsene Personen finden, die sie mit einer sicheren Basis versorgen, um Vertrauen, Autonomie und Inititative zu entwickeln. Es ist aber auch erforderlich, den Preis im Auge zu behalten, den solche Kinder bezahlen müssen. Einige Schutzfaktoren, wie z.B. die Fähigkeit, sich von einem dysfunktionalen Hause zu lösen, können zu einer gelingenden Anpassung zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer bestimten Situation führen. Sie können aber auch in einem anderen Kontext auf einer späteren Entwicklungsstufe zu negativen Konsequenzen führen, z.B. bei der Gestaltung intimer Beziehungen.“
Brisch, Karl; Hellbrügge, Theodor: Bindung und Trauma. Stuttgart, 2003.
When I’m lyin‘ in my bed at night – I don’t wanna grow up Nothin‘ ever seems to turn out right – I don’t wanna grow up How do you move in a world of fog that’s always changing things Makes me wish that I could be a dog
When I see the price that you pay – I don’t wanna grow up I don’t ever wanna be that way – I don’t wanna grow up Seems like folks turn into things that they’d never want The only thing to live for is today…
I’m gonna put a hole in my TV set – I don’t wanna grow up Open up the medicine chest – And I don’t wanna grow up I don’t wanna have to shout it out, I don’t want my hair to fall out I don’t wanna be filled with doubt, I don’t wanna be a good boy scout I don’t wanna have to learn to count, I don’t wanna have the biggest amount I don’t wanna grow upWell when I see my parents fight – I don’t wanna grow up They all go out and drinking all night – And I don’t wanna grow up I’d rather stay here in my room, nothin‘ out there but sad and gloom I don’t wanna live in a big old tomb on Grand Street
When I see the 5 o’clock news – I don’t wanna grow up Comb their hair and shine their shoes – I don’t wanna grow up Stay around in my old hometown, I don’t wanna put no money down I don’t wanna get me a big old loan, work them fingers to the bone I don’t wanna float a broom, fall in love and get married then boom How the hell did it get here so soon I don’t wanna grow up
Auf ZEIT-Online findet sich dieser lesenswerte Artikel „Schreib dich frei“, der auch eines unserer wichtigen Themen berührt: Wie sind schwierige Situationen und Trauma emotional gut zu verarbeiten?
Lord, Won’t you give me the strength to be strong, and be true Cos, Lord, when the devil gets into my head, I’m so blue
You knock me, if you’re so mighty, why waste your time with me If I’m bad, ignorant and sad Why waste your time, you’re mad You’re just mad, because your life is sad You’ve done nothing worth while Twist the knife Because you hate your life My life you want to spoil
I’m never going to let Your negative vibes and comments Get through to my psyche and cripple me I’m never going to let
Für alle, die sich mit der Frage herumschlagen, wie es beruflich für sie weitergehen kann, hier ein Hinweis auf ein vielleicht inspirierendes Porträt „Mi-Ma-Märchenmaus“ auf ZEIT-Online.
„Dienstleistungen basieren sehr viel stärker auf Kreativität und innovativen Kompetenzen, aber eben auch auf Gefühlen und affektiver Arbeit.“
Otto Penz hat auch ein Buch zum Thema veröffentlicht: Sauer, Birgit; Penz, Otto: Affetives Kapital. Die Ökonomisierung der Gefühle im Arbeitsleben, Frankfurt am Main, 2016