Wie mit Wut umgehen?

Die Verfassung von Menschen, die ihn Burnout geraden und die oft sehr unguten Umstände, wie sie zustande kommt, macht Betroffene bisweilen sehr wütend. Wie umgehen damit? Ein sehr interessanter und erhellender Podcast des SWR2 beleuchtete kürzlich diese Thematik: Wut – Eine produktive Kraft

 

Aufstieg und Zufriedenheit

„Die subjektive Zufriedenheit wächst mit der Zunahme des Einkommens anfänglich extrem an, etwa in Entwicklungsländern wie Tansania, um dann in hochentwickelten Ländern wie den USA immer mehr abzuflachen. Die Lebenszufriedenheit nimmt also mit wachsendem Einkommen immer weniger zu. In den wesltichen Ländern tragen Einkommen und Vermögen nur noch zu etwa 10 Prozent zur Lebenszufriedenheit bei.“

Remo Largo: Das passende Leben

„Angststress ist Sinnstress“

Die Angst kommt daher, dass alles offen, aber nicht ohne Bedeutung ist. Man glaubt, in jedem Moment mit seinem ganzen Leben zur Disposition zu stehen. Man kann Umwege machen, Pausen einlegen und Schwerpunkte verschieben; aber das muss einen Sinn machen und zur Vervollkommnung des Lebenszwecks beitragen. Die Angst, einfach so dahinzuleben, ist schwer ertragbar. Angststress ist Sinnstress, von dem einen kein Staat und keine Gesellschaft erlösen kann [sic].“

Heinz Bude: Gesellschaft der Angst. Hamburg 2014

Burnout. Warum? #2

„Zu unterliegen ist etwas grundsätzlich anderes, als zu versagen. Diese Angst rieselt feiner, setzt sich dafür auch tiefer in den Poren fest.“

Heinz Bude (Gesellschaft der Angst)

Burnout. Warum? #1

„Es ist die Angst, nicht zu genügen, an Maßstäben, die einem undurchsichtig sind.“

Heinz Bude (Gesellschaft der Angst)

Welche Erwartungen erfüllen?

„Aber es ist ein großer Unterschied, ob ich einen von den Eltern bevorzugten Lebensstil pflege, weil ich sie nicht enttäuschen will und deswegen fraglos ihren Erwartungen entspreche (beziehungsweisegerade um ihrer Enttäuschung willen alles genau andersherum mache), oder ob ich auf diese Art lebe, weil ich der Überzeugung bin, dass es so richtig für mich ist. Es ist ein großer Unterschied, ob ich das tue, was andere Menschen von mir wollen, weil ich mich nie gefragt habe, ob es vielleicht auch anders ginge und was ich selbst eigentlich will, oder ob ich es tue, weil ich es selbst für richtig halte. In den ersten Fällen tut man, was von einem erwartet wird, eben weil es von einem erwartet wird. Im zweiten Fall tut man etwas, weil man es für richtig hält, weil es zu einem persönlich passt und für einen stimmig ist – wobei man damit gleichzeitig den Erwartungen anderer entsprechen kann.“

Michael Bordt: Die Kunst, die Eltern zu enttäuschen

Wo das Leistungs- und Überforderungsproblem beginnt…

„Der zentrale Sozialisationseffekt von weiterführenden Schulen und dann der Hochschule besteht in der Einübung von Leistungsmotivation als Voraussetzung für Erfolgstüchtigkeit. Die Aufstiegsenergie wird in den Bildungsinstitutionen durch die Ausrichtung auf die Bildungsziele ausgekühlt und abgerichtet. Das Lehrpersonal verteilt Noten bekanntlich nicht nur für formelle Leistungserbringung, sondern auch und besonders für informelle Habitusdurchdringung. Die Heranwachsenden sollen lernen, sich einzubringen, auszudrücken und insgesamt eine gute Figur zu machen.“

Heinz Bude: Gesellschaft der Angst

Woher kommt’s?

„Weil Arbeit im Büro wesentlich aus Interaktion besteht, erscheint Ausbeutung in der Beziehung zwischen Menschen als der wahre Grund von Ermattung und Erschöpfung.“

Bude, Heinz: Solidarität. Die Zukunft einer großen Idee. München 2019

Hach ja… #84

„Wir sind wohl die einzigen Lebenwesen, die sich die Welt erklären müssen, um das Leben zu bewältigen.“

Remo Largo (Das passende Leben)

TK-Podcast über Depression & Burnout

Die Techniker Krankenkasse hat die Podcast-Serie „Ist das noch gesund?“ ins Leben gerufen. Im Gespräch mit Experten, Laienexperten und Betroffenen wird zu wichtigen Gesundheitsfragen aufgeklärt. Eins der ersten Themen ist „unseres“: Depression und Burnout: „Du bist nicht mehr du selbst.“ – Was Depressionen mit einem machen können

In einem offenen, guten, fundierten und vor allem wohltuend unaufgeregten Gespräch mit dem Psychiater Dr. Gernot Langs und Kati Krause, die 2014 selbst an einer schweren Depression erkrankte, geht die Moderatorin Dr. Yael Adler wirklich sämtliche wichtige Fragen an, die uns in unserer Arbeit in der Selbsthilfegruppe auch stets bewegen: Entstehung, Ursachen und Hintergründe, Symptome,  Anlaufstellen, Informationsbeschaffung, Behandlungsmöglichkeiten, Therapieformen, Therapeutensuche, Umgang mit Familie, Freunde und Arbeitgeber, Medikation…

Für alle direkt und indirekt Betroffene also, die sich einen guten fundierten Überblick über das weite Feld Depression und Burnout verschaffen möchten, SEHR (!) empfehlenswert!

Depression: „Du bist nicht mehr du selbst.“ – Was Depressionen mit einem machen können

2 of 42
123456