Posts by: Edgar

Die Ratgeber: Die sieben Säulen der Resilienz

Carola Kleinschmidt ist Autorin einiger sehr guter Bücher zu unserem Thema. (Zuletzt „Burnout – und dann? Wie das Leben nach der Krise weitergeht„). Sie schreibt auch auf Die Ratgeber, eine Website zum Thema Arbeitswelt mit speziellem Fokus auf stressfreies und gesundes Arbeiten. Zu finden ist hier das lesenswerte Dossier Burnout. Und, kürzlich veröffentlicht, auch ein paar hörenswerte kurze Podcasts zum Thema Resilienz: Die sieben Säulen der Resilienz.

„Ich bin gut, so wie ich bin.“

„Seit der Zeit in der Tagesklinik misst Daniel alles, was er tut, ganz pragmatisch an seinem neuen Lebensmotto: ‚Ich bin gut, so wie ich bin.‘ Der 33-Jährige erklärt: ‘Das heißt: Ich kann machen, was ich möchte. Und es hat bestimmte Konsequenzen. Aber es geht nicht darum, etwas zu tun, damit andere mich mögen oder toll finden. Ich selbst kann mich akzeptieren wie ich bin.‘ Der Satz klingt einfach, aber das war wohl Daniels größte Lehre. Denn sein früheres Lebensmotto entsprang natürlich der Idee, dass er eben nicht gut genug sei, so wie er ist. Sondern, dass er ordentlich ackern müsse, um etwas wert zu sein. Erst nach der zweiten Krise hatte er die Kraft, sich konsequent von dieser elterlichen Prägung zu lösen.“

Kleinschmidt, Carola: Burnout – und dann? Wie das Leben nach der Krise weitergeht. München, 2016.

 

 

Herausfinden, was los war – um es künftig besser zu machen

„Die Suche nach den Schuldigen für das geistige, gesellschaftliche oder familiäre Klima, in das man hineingeboren worden ist, hat im Nachhinein wenig Sinn, sie kann eigentlich nur einem einzigen Zweck dienen, nämlich zu erkennen, wie man selbst an der Gestaltung eines bestimmten Klimas mitwirkt, um nicht lebt erneut aus Unwissenheit schuldig werden zu müssen. Denn das Klima, in dem Menschen künftig aufwachsen und leben, lässt sich ebenso verändern wie die Art und Weise, wie wir unser Gehirn fortan benutzen.“

Hüther, Gerald: Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn. Göttingen, 2012

Nein-Sagen-Lernen als wichtige Aufgabe

_muedigkeitsgesellschaftAn den psychischen Erkrankungen von heute wie Depression, Burnout oder Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom ist dagegen kein Verdrängungs- oder Verneinungsprozess beteiligt. Sie verweisen vielmehr auf ein Übermaß an Positivität, also nicht auf die Verneinung, sondern eher auf das Unvermögen, Nein zu sagen, nicht auf das Nicht-Dürfen, sondern auf das Alles-Können.

Byung-Chul Han: Müdigkeitsgesellschaft. Berlin 2016

Hach ja… #53

„Die Gesellschaft der Positivität, die sich von allen Fremdzwängen befreit zu haben glaubt, verstrickt sich in destruktive Selbstzwänge. So weisen die psychischen Erkrankungen wie Burnout oder Depression, die Leitkrankheiten des 21. Jahrhunderts, allesamt autoaggressive Züge auf. Man tut sich selbst Gewalt an und beutet sich selbst aus. An die Stelle der fremdverursachten Gewalt tritt eine selbstgenerierte Gewalt, die fataler ist als jene, denn das Opfer dieser Gewalt wähnt sich in Freiheit.“

Byung-Chul Han: Müdigkeitsgesellschaft. Berlin 2016

The Beach Boys – I Just Wasn’t Made For These Times

https://www.youtube.com/watch?v=VyhU2mVyFAk

I keep looking for a place to fit
Where I can speak my mind
I’ve been trying hard to find the people
That I won’t leave behind

They say I got brains
But they ain’t doing me no good
I wish they could

Each time things start to happen again
I think I got something good goin‘ for myself
But what goes wrong

Sometimes I feel very sad
Sometimes I feel very sad
(Can’t find nothin‘ I can put my heart and soul into)

Grundlagen für Burnout – aus soziologischer und philosophischer Sicht

_muedigkeitsgesellschaft„Das spätmoderne Leistungssubjekt geht keiner Pflichtarbeit mehr nach. Nicht Gehorsam, Gesetz und Pflichterfüllung, sondern Freheit und Freiwilligkeit bilden sein Maxime. Von der Arbeit erwartet es vor allem Lustgewinn. Es handelt auch nicht auf das Geheiß des Anderen hin. Vielmehr hört es vor allem auf sich selbst. Es hat ja ein Unternehmer seiner selbst zu sein. So entledigt es sich der Negativität des gebietenden Anderen. Diese Freiheit vom Anderen ist aber nicht nur emanzipierend und befreiend. Die verhängnisvolle Dialektik der Freieheit lässt diese in neue Zwänge umschlagen.“

Byung-Chul Han: Burnoutgesellschaft. In: Ders.: Müdigkeitsgesellschaft. Berlin 2016